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Bartgeier-Zuchtstation
04.Juni 2019

Neue Zuchtstation für den «König der Lüfte»

Heute wurde eine neue Zuchtstation für Bartgeier eingeweiht. Die aus einheimischem Holz konstruierte Anlage ist wichtiger Bestandteil für das Wiederansiedlungsprojekt im Alpenraum.

Heute wurde in Goldau die neue Bartgeier-Zuchtstation des Natur- und Tierparks Goldau eingeweiht. Geladene Gäste sowie Gönnerinnen und Gönner konnten die normalerweise nicht zugängliche Anlage ausserhalb des Parks besuchen und feierlich eröffnen.

Die Holzkonstruktion aus Lärche umfasst sechs abgetrennte Areale, in welchen Brutpaare ihre Jungvögel aufziehen können. Die einzelnen Areale sind mit Sichtschutz versehen, da Bartgeier nicht brüten, wenn andere Vögel in ihren Horst sehen können. Jeweils zwei Areale können miteinander verbunden werden, sodass auch andere Tier- und Vogelarten darin aufgezogen werden können. Der Bau mit einer Mindestlebensdauer von 15 Jahren kostete rund CHF 430’000.-.

Bereits vor über 20 Jahren wurde in Goldau eine Bartgeier-Zuchtstation in Betrieb genommen. Jedoch hat ihr Netz seinen Zenit überschritten: Es ist komplett spröde und bricht an vielen Stellen. Eine professionelle und erfolgreiche Zucht der Vögel ist damit nicht mehr möglich.

Die neue Zuchtstation wurde bereits im Januar in Betrieb genommen. Die ersten Tiere, welche die Anlage besiedelten, waren jedoch nicht die Bartgeier der «alten» Zuchtstation. Denn die beiden Bartgeierpaare waren bereits am Brüten respektive mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt. Somit war ein Umzug nicht möglich – dieser fand erst in der zweiten Maihälfte statt, nach der Aufzucht der Jungtiere. Die beiden Jungvögel aus Goldau gehen unterschiedliche Wege. Ein Vogel bleibt in der Zucht, der andere wird in Spanien ausgewildert. Bis es soweit war, wurden die neuen Volieren zwischengenutzt. So verbrachte beispielsweise ein Luchs einige Wochen in der Anlage. Mittlerweile konnte er ausgewildert werden. Die Vogel-Zuchtstation kann also auch multifunktional verwendet werden.

Erfolgsprojekt Wiederansiedlung
Der Bartgeier war früher im Alpenraum weit verbreitet. Leider wurde ihm sein falscher Ruf als Lämmer- und sogar Kinderräuber zum Verhängnis. 1913 wurde der letzte Bartgeier in den Alpen erlegt. Es folgte mehr als ein halbes Jahrhundert ohne den «König der Lüfte», bis 1978 das Projekt zur Wiederansiedlung ins Leben gerufen wurde und im Jahr 1986 der erste Vogel in Österreich ausgewildert wurde. Das Projekt wurde Schritt für Schritt über den ganzen Alpenraum ausgedehnt. 1991 erfolgte die erste Auswilderung in der Schweiz. Am Erhaltungszuchtprogramm des stark gefährdeten Geiers beteiligen sich europaweit über 40 Zoos und Zuchtstationen. Bis im Jahr 2018 wurden total 223 junge Bartgeier erfolgreich im Alpenraum ausgewildert und imposante 233 Wildbruten gezählt (Stand September 2018).

Im Natur- und Tierpark Goldau sollen Tiere mit den für Auswilderungen am besten geeigneten Genen gezüchtet werden. Zusätzlich kommen alle Bartgeier, die in der Schweiz ausgewildert werden, einige Tage vorher nach Goldau in Quarantäne, um sich aneinander zu gewöhnen. Hier werden sie auch untersucht und markiert.

 

Bartgeier-Zuchtstation

Die Zuchtstation befindet sich ausserhalb des Tierparks.

Bartgeier-Zuchtstation

Alle Volieren-Abteile verfügen über ein Bad.

Bartgeier-Zuchtstation

Die Zuchtstation wurde gemäss den Vorgaben der internationalen Projektleitung gebaut.

Bartgeier

Das Bartgeier-Wiederansiedlungsprojekt läuft seit über dreissig Jahren.