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16. Oktober 2018

Manchmal geschehen Wunder: Schwarze Alpenschweine ziehen in den Tierpark

Ein grosser Höhepunkt für ein langes Projekt des Natur- und Tierparks Goldau: Eine neue Tierart – die Schwarzen Alpenschweine – fanden den Weg in ihre Anlage im Haustierpark und wurden heute offiziell willkommen geheissen.

Vor über 100 Jahren gab es im Alpengebiet eine grosse Zahl von berggängigen Schweinerassen, die man wegen ihrer schwarzen oder gefleckten Farbe unter dem Namen «Schwarze Alpenschweine» zusammenfasste. Jedoch wurden diese Rassen im Verlauf der Zeit von fremden Leistungsrassen verdrängt. Bis vor rund vierzig Jahren überlebten am Splügen und am Lukmanier Reste der alten Bündner Schweine – als ProSpecieRara in den 80er-Jahren auf die Suche nach den Tieren ging, waren aber auch diese letzten Vertreter verschwunden und somit die Tierart in der Schweiz ausgestorben.

Es grenzt an ein Wunder, dass 2013 im Veltlin noch letzte Reste der Schwarzen Alpenschweine entdeckt wurden. Das alpine Netzwerk «Pro Patrimonio Montano», welches sich grenzüberschreitend um den Erhalt für die Berglandwirtschaft wichtiger Ökotypen alter Rassen einsetzt, übernahm die Weiterzucht der Tiere. Mittlerweile konnte wieder ein Bestand von über 40 Zuchtgruppen aufgebaut werden, auch dank dem Fund von zwei weiteren alpinen Reliktpopulationen. Diese drei Herkünfte bilden nun den Gen-Pool, der zur Inzuchtvermeidung nötig ist.

Nach langer Vorarbeit kommen nun erstmals wieder Schwarze Alpenschweine in die Schweiz zurück – unter anderem in den Natur- und Tierpark Goldau.

Grosse Herausforderungen

Der Weg war lang und herausfordernd, bis die Schwarzen Alpenschweine ihren Weg in den Natur- und Tierpark Goldau fanden. Die Tiere wurden aus Österreich umgesiedelt – vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV gibt es klare Richtlinien zur Einfuhr von Schweinen in die Schweiz. Diese müssen einer amtstierärztlichen Überwachung unterstellt werden; im Fall der Schwarzen Alpenschweine war dies ein rund zweimonatiger Aufenthalt in der Quarantänestation des Natur- und Tierparks Goldau.

Die Schweine unterlagen einer strikten Quarantäne. Dies bedeutet, dass jeglicher Kontakt zu anderen Tieren und Parkanlagen strikt unterbunden werden musste. Die Tierpflegerinnen, Tierpfleger und Tierärzte mussten Schutzausrüstung tragen und die Quarantänestallungen wurden durch Desinfektionsschleusen gesichert. Täglich wurde mehrmals gereinigt und desinfiziert und sogar die Ausscheidungen der Schweine wurden speziell entsorgt.

Nachdem die Ergebnisse verschiedener Gesundheitstests vorlagen, wurde die Quarantäne vom Veterinäramt des Kantons Schwyz am 2. Oktober 2018 aufgehoben und die Tiere durften in den Natur- und Tierpark Goldau ziehen. Sie teilen sich nun die Anlage mit den Hausschweinen.

Willkommens-Event im Natur- und Tierpark Goldau

Am heutigen Willkommens-Event für die Schwarzen Alpenschweine ging es dem entsprechend auch freudig zu und her. Nach einer Begrüssung durch Anna Baumann, Direktorin des Natur- und Tierparks Goldau, orientierte Hans-Peter Grünenfelder, Vorsitzender Pro Patrimonio Montano über das Alpenschwein, das Projekt und die Perspektiven für die Berglandwirtschaft. Der Veterinär und Schweinespezialist Dr. Kai Caspari berichtete über den veterinärmedizinischen Aufwand, gefolgt von Informationen von der Ankunft in der Quarantänestation bis zum Umzug in den Haustierpark im Natur- und Tierpark Goldau durch Dr. Martin Wehrle, Kurator und Tierarzt Natur- und Tierpark Goldau.

Das Schwarze Alpenschwein

Das Alpenschwein ist eine kleine bis mittelgrosse Schweinerasse mit langen, kräftigen Beinen und kurzem Rumpf. Durch ihren leichten, kräftigen Körperbau sind die Alpenschweine für die Bergweide geschaffen. Dank ihrer dunklen Färbung sind sie nicht sonnenbrandgefährdet und können – im Gegensatz zu modernen Rassen – ganztags draussen sein. Dank ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit sind sie für extensive Freiland‐Haltung im Berggebiet prädestiniert. Mit ihrem Wühlen bekämpfen sie Placken/Ampfern und lockern von Rindern verdichtete Lägerfluren. Sie sind nicht nur ein Kulturgut, sondern auch ökologisch interessant.

 

Weitere Informationen zum Zuchtprojekt finden Sie auf der Webseite www.patrimont.org.

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