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26. August 2026

Lepontino II gleitet wieder über die Alpen

Nach mehreren Monaten intensiver Pflege im Natur- und Tierpark Goldau ist der junge Bartgeier Lepontino II wieder in seinem ursprünglichen Lebensraum im Kanton Glarus unterwegs. Der Vogel war Anfang April stark geschwächt aufgefunden worden.

Anfang April entdeckte eine Anwohnerin im hinteren Linthal (GL) einen Bartgeier, der nicht mehr wegfliegen konnte. Im Tierspital Zürich wurden ausgeprägte Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen festgestellt. Aufgrund der schweren Symptome und weil eine längere Genesungszeit zu erwarten war, kam Lepontino II nach der Erstversorgung in den Natur- und Tierpark Goldau. Dort kümmerte sich das erfahrene Tierärztinnen-Team sowie die Tierpflege intensiv um ihn.

Bleibelastung oder Kollision

Das Blut des Bartgeiers zeigte erhöhte Bleiwerte auf. Sie waren allerdings nicht so hoch, dass sich die schweren Symptome allein dadurch erklären liessen. Deshalb kommt als Ursache auch ein Aufprall mit einem daraus resultierenden Schädel-Hirn-Trauma infrage. Bereits geringe Bleibelastungen können bei Greifvögeln Vitalität und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und sie anfälliger für Unfälle machen. «Lepontinos Koordinationsstörungen waren zu Beginn stark ausgeprägt. Dank intensiver Pflege und Behandlung verbesserten sich seine Fähigkeiten Schritt für
Schritt. Die Flugtests zeigten schliesslich, dass er wieder sicher starten und rasch an Höhe gewinnen konnte – eine zentrale Voraussetzung für die Freilassung», erzählt Dr. Katja Schönbächler, Kuratorin und Tierärztin des Natur- und Tierparks Goldau.
Greifvögel können Blei über die Nahrung aufnehmen, wenn sie Reste von Wildtieren fressen, die mit bleihaltiger Munition erlegt wurden. Wo Lepontino II mit Blei in Kontakt kam, lässt sich nicht mehr feststellen. «Der Fall zeigt, wie wichtig der Umstieg auf bleifreie Jagdmunition ist,
was auch immer häufiger der Fall ist. Damit lässt sich die Gefahr für Bartgeier und andere Greifvögel deutlich reduzieren», sagt Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Pro Bartgeier.

Erfolgreiche Rückkehr ins hintere Linthal

Dank genetischer Analysen konnte der Junggeier eindeutig identifiziert werden. Lepontino II ist ein Männchen und das zweite Jungtier des ersten Tessiner Bartgeier-Brutpaares. Sein älteres Geschwister Lepontino flog 2023 aus; im Sommer 2026 folgte Lepontino III. Nach mehreren Monaten Pflege in Goldau und erfolgreichen Flugtests in der Umgebung brachte das Projektteam, bestehend aus der Stiftung Pro Bartgeier, des Natur- und Tierparks Goldau und der Glarner Wildhut, Lepontino II zurück ins hintere Linthal. Die Auswilderung verlief problemlos: Kaum am Boden abgesetzt, startete der junge Bartgeier und segelte davon. Um seine weitere Entwicklung möglichst genau verfolgen und bei Schwierigkeiten rasch reagieren zu können, trägt er einen kleinen GPS-Sender, der täglich Daten zu seinem Aufenthaltsort übermittelt.

Gemeinsam für den Bartgeier

Der Natur- und Tierpark Goldau engagiert sich seit vielen Jahren für den Schutz des Bartgeiers. Neben der Haltung und Zucht der bedrohten Greifvögel übernimmt der Park auch die Pflege verletzter oder geschwächter wildlebender Bartgeier mit dem Ziel, sie wieder in die Natur zurückzubringen. Dieses Engagement ist nur dank der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern möglich. Wer die Arbeit des Natur- und Tierparks Goldau für den Bartgeier und weitere bedrohte Tierarten unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter www.tier
park.ch.

Auch die Rückführung eines Bartgeiers in die freie Wildbahn und seine anschliessende Überwachung sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Die Stiftung Pro Bartgeier bietet deshalb die Möglichkeit, die Rückkehr von Lepontino II als Götti oder Gotte mit einer Spende zu unterstützen. Weitere Infos auf www.bartgeier.ch

Weitere Informationen erteilen Ihnen gerne:

Dr. Katja Schönbächler, Kuratorin und Tierärztin des Natur- und Tierparks Goldau:
katja.schönbächler@tierpark.ch / +41 41 859 06 28
Daniel Hegglin, Geschäftsführer Stiftung Pro Bartgeier: info@bartgeier.ch / +41 79 352 75 46